Frohe Ostern wünsche ich gehabt zu haben – so gut das in diesem Jahr nun einmal möglich war. An Ostern 2020 werden wir uns noch lange zurück erinnern, es war wie es noch nie war. Seit vier Wochen sind die Schulen geschlossen, seit drei Wochen gelten die Kontaktverbote und über Ostern hat es so gut wie keinen Reiseverkehr gegeben. Und jetzt? Wie geht es weiter mit Corona und mit uns?

Eines lässt sich sehr klar nachweisen: Der eingeschlagene Weg mit vielen schmerzhaften Einschränkungen für uns alle war sehr erfolgreich. Das ist ein Erfolg für und von uns allen, denn fast alle haben mitgemacht! Vor wenigen Wochen waren die Prognosen für den Verlauf der Epidemie in Deutschland noch erschreckend und ein Verlauf wie in anderen Ländern keineswegs ausgeschlossen. Seitdem haben sich die Neuinfektionen spürbar verlangsamt und auf der anderen Seite nimmt die Zahl der Genesenen deutlich zu. Natürlich ist die Situation regional in Deutschland durchaus unterschiedlich, aber unsere Krankenhäuser in Niedersachsen haben derzeit erfreulicherweise durchaus freie Kapazitäten. Wer Hilfe braucht, bekommt sie, auch wenn natürlich kein Gesundheitswesen Todesfälle verhindern kann, von denen wir leider auch in Niedersachsen nicht wenige haben.

Also Entwarnung und Rückkehr zu unserem alten Leben? So leicht ist es leider nicht, denn mit jeder Lockerung steigt natürlich wieder das Infektionsrisiko. Wenn wir es jetzt falsch machen, könnten alle erzielten Erfolge sehr schnell wieder verspielt sein und wir hätten eine Situation wie vor wenigen Wochen. Vor uns liegt es deswegen eine sehr, sehr schwierige Abwägung: Können wir langsam mit dem Einstieg in den Ausstieg aus dem shut down beginnen oder ist es noch zu früh? Können wir schrittweise wieder Einschränkungen zurücknehmen und – wenn ja – unter welchen Bedingungen? Welche Bereiche sind für den Anfang am besten geeignet, welche stehen am Ende? Und wann müssen wir möglicherweise auch wieder stärker eingreifen, weil die Infektionszahlen steigen?

Um diese Fragen wird es gehen, wenn wir am Mittwoch in einer weiteren Telefonkonferenz zwischen der Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten den zukünftigen Kurs festlegen wollen. Was dabei herauskommen wird? Ganz ehrlich: Ich weiß es jedenfalls am Ostersonntag noch nicht. Klar ist allerdings der Maßstab, an dem ich mich orientieren werde: Die Situation in den Krankenhäusern. Unser Gesundheitswesen darf auch in den nächsten Monaten nicht überfordert werden, sondern muss in der Lage sein, mit den Corona-Infektionen fertig zu werden, so gut das im Einzelfall nun einmal möglich ist. Wenn wir nach Corona einmal feststellen können, diesen Maßstab erfüllt zu haben, haben Gesellschaft und Politik in Deutschland großartige Arbeit geleistet.

Es geht in den nächsten Monaten also um „hammer and dance“, wie die Fachleute sagen. Nach dem Hammer einer so gut wie kontaktlosen Gesellschaft Schritt für Schritt wieder zur Normalität zurück zu kehren und dabei immer auch Rückschritte in Kauf zu nehmen, um das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu halten. Corona wird noch längere Zeit Teil unserer Gesellschaft sein und der Kampf gegen das Virus ist kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf.

Ich wünsche Euch eine gute Woche und bleibt gesund!

Hammer und Tanz

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