Auf dem Weg zur künstlichen Intelligenz

Nie wieder verpatzte Urlaube, weil Dir online das perfekte, ganz und gar auf Dich zugeschnittene Angebot gemacht worden ist? Die Fahrt nach Hause im eigenen Auto ganz entspannt auch nach zwei Glas Wein, weil Dein Auto Dich alleine sicher zurück bringt? Keine Chance mehr für Hacker, weil Deine Sicherung immer eine Nase voraus ist? Für diese und zahllose andere Beispiele gibt es einen gemeinsamen Nenner – es handelt sich um Anwendungen künstlicher Intelligenz.
„Künstliche Intelligenz“, das ist eines jener Schlagworte, die man immer öfter hört und doch nicht so ganz genau weiß, was eigentlich dahinter steckt. Deswegen habe ich in der letzten Woche zwei Tage lang eine Tour durch Niedersachsen gemacht, um schlauer zu werden. In Hannover, Lehrte, Osnabrück und Oldenburg habe ich mich darüber informiert, woran in Niedersachsen geforscht wird und was jetzt schon möglich ist.
Kennengelernt habe ich die unterschiedlichsten Beispiele, denn KI ist eine Querschnittstechnologie, die eigentlich überall angewandt werden kann. Es geht darum, das intelligente Verhalten von Menschen in Rechenprogrammen nachzubauen und automatisiert einzusetzen. Je mehr Daten als Grundlage zur Verfügung stehen, desto besser kann das gelingen und desto genauer werden dann die Prognosen für künftiges Verhalten. Das ist jetzt natürlich nur eine arg laienhafte Zusammenfassung und in Wahrheit ist alles viel komplizierter. Aber offenkundig handelt es sich um eine Technologie, die unsere Zukunft wesentlich bestimmen wird.
Das wird in vielen Fällen mit echten Fortschritten verbunden sein, zum Beispiel bei der Früherkennung von Krankheiten, der Erleicherung von schwerer körperlicher Arbeit oder dem Schutz vor Risiken. Viele dieser Perspektiven sind faszinierend und ich habe die spürbare Begeisterung von Forschern und Entwicklern gut verstehen können, wenn sie mir ihr jeweiliges Projekt gezeigt haben.
Aber wie bei jeder anderen Technologie auch gibt es nicht nur verheißungsvolle Perspektiven, sondern auch Risiken und Nebenwirkungen.Ganz konkret: Was macht das mit Arbeitsplätzen, zum Beispiel in den Reisebüros und Callcentern, wenn digitale Sprachassistenten die Beratung mehr oder weniger genauso gut vornehmen können? Aber auch ganz grundsätzlich: Wohin führt KI am Ende, beherrscht der Mensch die Maschine oder wird es irgendwann andersherum sein?
Sicher ist, grundlegende Innovationen lassen sich nicht aufhalten und deswegen werden wir in Niedersachsen unsere KI-Aktivitäten deutlich verstärken, zum Beispiel durch 50 Digitalisierungsprofessuren an den Hochschulen in unserem Land. Parallel dazu sind rechtliche Leitplanken notwendig, damit die Chancen genutzt und gleichzeitig die Risiken minimiert werden. Ein relativ einfaches Beispiel dafür sind autonome Waffen, die wie ABC-Waffen international geächtet werden müssen. Aber es sicher noch einen ganz anderen Regelungsbedarf, der sich erst nach und nach erschließen wird. Wieder ein Beispiel: Auf dem Weg zum autonomen Fahren wird die gute, alte Straßenverkehrsordnung ganz neu zu schreiben sein.
Einige dieser Themen werden übrigens auch eine Rolle spielen, wenn ich in der nächsten Woche in Brüssel Gespräche führe, unter anderem mit der Digital-Kommissarin Margrethe Vestager. Davon werde ich gerne an dieser Stelle berichten.
Bis dahin wünsche ich Euch eine schöne Woche.

Lehren aus Thüringen

„Die Charakterlosigkeit der FDP
verbunden mit ihrem Selbsterhaltungstrieb
ist eine der zuverlässig berechenbaren Komponenten.“
Franz Josef Strauß, Sonthofen, 1974
 
Für die Nachgeborenen: Franz Josef Strauß, legendärer CSU-Vorsitzender, war in den 70-er Jahren die wichtigste Stimme der politischen Rechten in Deutschland. Unter anderem , um ihn zu verhindern, bin ich 1980 in die SPD eingetreten, als er als Kanzlerkandidat der Union die Alternative zu Helmut Schmidt war. Damals regierte in der Bundesrepublik übrigens noch eine sozialliberale Koalition.
 
Ein Freund hat mir dieses Zitat nach den Ereignissen in Thüringen geschickt. Es bringt die Sache auf den Punkt, allerdings mit einer Ergänzung: Für die CDU in Thüringen muss dasselbe gelten.
 
Im Kern geht es nämlich um die Haltung gegenüber Rechtsextremismus. Es gibt viele Belege dafür, dass die AfD in Thüringen diesem Spektrum zuzurechnen ist, ihr Fraktionsvorsitzender Björn Höcke darf von Rechts wegen als Faschist bezeichnet werden. Unter Demokraten muss es völlig klar sein, dass Zusammenarbeit mit und Einfluss für diese Partei nicht in Frage kommen können. Es handelt sich um praktischen Verfassungsschutz.
 
Dass die Parteivorsitzenden von CDU und FDP im Vorfeld diese selbstverständliche Haltung ihren eigenen Parteifreunden gegenüber nicht klipp und klar vertreten haben, ist verstörend und zeigt, dass wir auch unter Demokraten Klärungsbedarf haben.
 
Immerhin ist wenigstens am Ende dieser dramatischen Woche eine solche Klärung erfolgt. Auf Druck der SPD haben auch CDU und CSU auf Bundesebene uneingeschränkt erklärt „Regierungsbildungen und politische Mehrheiten mit Stimmen der AfD schließen wir aus“. Für die SPD ist das selbstverständlich, für die Konservativen nach den Ereignissen in Thüringen aber eben nicht. Diverse Reaktionen aus der Werte-Union, der Jungen Union und der Thüringer CDU sprechen Bände. Da hat die Bundes-CDU noch viel zu tun.
 
Ende gut, alles gut? Ganz und gar nicht, die Auseinandersetzung wird sicher weiter gehen. Sie ist auch eine Erinnerung daran, was für die SPD immer vor allem anderen stehen muss – der Einsatz für die Demokratie und eine freiheitliche Ordnung.

Auftaktklausur

Jede Jahreszeit hat so ihre Rituale: Sommerfeste und Neujahrsempfänge, Weihnachtsfeiern und Kohlfahrten zum Beispiel. In der Politik ist das auch so und am Jahresanfang gibt es jede Menge Auftaktklausuren. Vor zwei Wochen hatte die niedersächsische Landesregierung ein Treffen in Wilhelmshaven und in dieser Woche stehen gleich zwei Auftaktklausuren in meinem Terminkalender – die niedersächsische SPD trifft sich am Mittwoch und Donnerstag in Springe, am nächsten Sonntag beginnt dann die Auftaktklausur des SPD-Parteivorstands in Berlin.
Was die SPD angeht, gibt es jede Menge Gesprächsbedarf. Das Jahr 2019 war – um die Queen zu zitieren – ein „annus horribile“, ein schreckliches Jahr. Vielleicht gab es noch nie ein Jahr mit so viel Pleiten, Pech und Pannen in kurzer Folge und am Jahresende steckt die SPD fest im Umfragetief. In drei Wochen wählt Hamburg seine Bürgerschaft und das wird hoffentlich ein Stimmungsaufheller. Viel Zeit für die SPD, die Kurve zu kriegen, besteht nicht, schon im nächsten Jahr stehen viele Wahlen auf Landes- und kommunaler Ebene an und an deren Ende die Bundestagswahlen.
Als Ralf Rangnick vor bald zwanzig Jahren Trainer bei Hannover 96 war, wies er nach einer Serie von Niederlagen darauf hin, damit steige statistisch die Wahrscheinlichkeit eines baldigen Sieges. Das war natürlich Sarkasmus, aber für die SPD wird es mit einer solchen Erkenntnis nicht getan sein. Aus Fehlern lässt sich lernen und aus vielen Fehlern des letzten Jahres lässt sich viel lernen:
Zum Beispiel, dass Personaldebatten meistens nicht nutzen, sondern schaden. Im letzten Jahr hatte die SPD eine Überdosis solcher Diskussionen, bis im Dezember dann eine neue Parteiführung etabliert worden ist. In diesem Jahr sich dergleichen zu verkneifen und sich mehr um inhaltliche Politik als um Personen zu kümmern, wäre schon ein echter Fortschritt.
Zum Beispiel, dass eine Partei sich nicht mit sich selbst, sondern mit der Gesellschaft und den Bürgern befassen. Wir erleben derzeit eine Phase grundlegender Veränderungen und viele Menschen erwarten von der Politik eine Orientierung. Vorschläge für die Zukunft sind gefragt und da gibt es für die SPD jede Menge Chancen. Wie bringen wir etwa Arbeit und Umwelt, Ökonomie und Ökologie, Klimaschutz und Industrie auf einen Nenner? Das ist nur ein Thema von vielen.
Zum Beispiel, dass es um Haltung geht. „Als sie ihr Ziel aus dem Auge verloren hatten, verdoppelten sie ihre Anstrengungen“, hat Mark Twain einmal gespottet und damit ein Risiko für die aktuelle Politik beschrieben, vor lauter Einzelthemen das Ziel aller Anstrengungen aus dem Auge zu verlieren. Und worum muss es derzeit gehten? Inmitten grundlegender Veränderungen besteht ein ganz grundlegendes Bedürfnis nach Sicherheit und Zusammenhalt. Das sind immer Kernanliegen der SPD gewesen und keine andere Partei kann diese Haltung glaubwürdiger verkörpern?
„Zukunft und Zusammenhalt“, das sind nicht die schlechtesten Leitplanken für einen Neustart der SPD in diesem Jahr.
Ich wünsche Euch eine gute Woche.

Nie wieder!

Am Sonntag haben weltweit Menschen an die Befreiung des KZ Auschwitz vor 75 Jahren erinnert und an die Millionen Opfer des Holocaust. Ich bin zweimal in Auschwitz gewesen und was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, sind große Glasscheiben, hinter denen riesige Mengen von Koffern, Schuhen, Brillen und anderen Hinterlassenschaften der Opfer aufgehäuft sind. Gefunden haben die russischen Soldaten sie in der „Effektenkammer“, wo sie für die weitere Verwertung von der SS aufbewahrt wurden.
Es braucht solche Bilder, um das unfassbare Ausmaß des Holocaust zumindest im Ansatz zu erahnen. Die Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden durch die Nationalsozialisten war buchstäblich das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte, das müssen wir uns immer wieder klar machen. Und leider führt kein Weg um die Tatsache herum: Dieses größte Verbrechen wird für immer Teil der deutschen Geschichte sein, es war ein deutsches Verbrechen.
Viele Menschen in Deutschland wünschen sich einen Schlussstrich und dass nicht immer wieder über den Holocaust geredet wird. Und es kostet in der Tat Überwindung, sich ein um das andere Mal mit den grausamen Einzelheiten zu beschäftigen, es ist immer wieder belastend – das kenne ich von mir selbst. Aber notwendig ist es, nicht nur um der Millionen Opfer willen, sondern um unserer selbst willen.
Antisemitismus, Rassismus und Hass sind nicht etwa verschwunden, sie sind lebendig. Das ist weltweit so und leider auch bei uns in Deutschland, wie viele Untersuchungen zeigen. Etwa ein Viertel der Bevölkerung hat antisemitisches Gedankengut, sagen Umfragen. Das ist eine erschreckend große Zahl, aber übrigens nicht erst seit kurzem, sondern seit langem. Immer öfter werden allerdings aus Gedanken Taten und der Anschlag auf die Synagoge in Halle im vergangenen Jahr ist uns allen noch in sehr frischer Erinnerung.
Unter diesen Umständen geht es nicht nur um Erinnerung, sondern um eine Warnung. Angriffe auf Juden oder andere Gruppen sind Angriffe auf die Demokratie, den Rechtsstaat und die Menschenrechte, also auf die Fundamente unserer Ordnung. Es geht eben nicht nur um Juden, Ausländer oder andere Gruppen, es geht am Ende um uns alle.
In Niedersachsen wird der Antisemitismus auf die entschiedene Abwehr des Staates stoßen, die „wehrhafte Demokratie“ ist mehr als nur ein Schlagwort. Nötig ist eine aktive Zivilgesellschaft, die den Einsatz gegen den Rechtsextremismus zu ihrer eigenen Sache macht. Dazu können alle auf die eine oder andere Weise ihren Beitrag leisten und sollten das bitte tun.
Der Holocaust war nicht nur das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte, er war der Tiefpunkt der deutschen Geschichte. Wenn wir aus der unserer eigenen Geschichte nur eine einzige Lehre ziehen, kann sie nur heißen: Nie wieder!
Ich wünsche Euch eine gute Woche.

Perspektiven für die Landwirtschaft!

In Berlin ist wie immer um diese Jahreszeit „Grüne Woche“, einschließlich dem großen Niedersachsen-Abend mit zweieinhalbtausend Gästen am Mittwoch. Aber es ist eine besondere, eine besonders politische Grüne Woche in diesem Jahr. Der beste Beweis dafür ist es, wenn parallel völlig gegensätzliche große Demonstrationen stattfinden: „Wir haben es satt!“ von Kritikern der Landwirtschaft und eine große Trecker-Demo von Land-schafft-Verbindung mit Protesten gegen Düngeverbote. Wer hat Recht?
Keiner ganz, aber beide zum Teil, ist meine Antwort. Keine Frage, die Landwirtschaft steht vor spürbaren Veränderungen – Grundwasserschutz, Klimaschutz, Artenschutz, Tierschutz, Verbraucherschutz sind wichtige Anliegen und offenkundig erwartet die Gesellschaft in dieser Hinsicht Verbesserungen. Das alles kann kaum gleichzeitig passieren und vor nicht allem gegen den Markt. Die Verbraucher sind jedoch einstweilen in ihrer großen Mehrheit keineswegs gewillt, mehr Leistung und mehr Qualität seitens der Landwirtschaft an der Kasse mit mehr Geld zu honorieren.
Und noch etwas: Die Landwirte in Deutschland sind ziemlich kleine Teile eines sehr großen internationalen Marktes und konkurrieren mit Berufskollegen aus anderen Ländern, von denen es einige deutlich leichter haben. Deswegen fragen viele Landwirte, die sich verändern wollen, schlicht und einfach: Wie soll ich das schaffen? Es geht um die Perspektiven eines ganzen und bedeutenden Berufsstandes.
Diese Frage ist ohne Zweifel berechtigt, aber beantworten lässt sie sich nur mit einer großen gemeinsamen Anstregung von Politik und Landwirtschaft, aber auch zum Beispiel Umwelt- und Naturschützern und von Verbrauchern. Es reicht nicht aus, über Vorgaben auf Veränderungen zu drängen, ohne einen Plan zur Umsetzung zu haben. Und ohne eine aktive Begleitung von Politik und Gesellschaft wird es nicht gehen, wenn sich nicht am Ende die kleineren und mittleren Betriebe aus dem Markt verabschieden sollen.
Das wäre für ein Flächenland wie Niedersachsen eine Horror-Vorstellung, nicht nur aus historischen Gründen, sondern auch ganz aktuell. Der gesamte Agrarbereich ist in Niedersachsen mit etwa 390 000 Arbeitsplätzen die zweitwichtigste Branche und soll es auch bleiben.
Die Zeit ist reif für einen Gesamtplan oder einen „Gesellschaftsvertrag“, wie es in der Diskussion heißt. Dafür werden wir in Niedersachsen gemeinsam mit vielen anderen mit Nachdruck eintreten.
Ich wünsche Euch eine gute Woche.

Udo Lindenberg

Bücher-Tipps könnt Ihr an dieser Stelle öfter mal lesen, heute gibt’s zur Abwechslung mal einen Kino-Tipp: „Lindenberg! Mach Dein Ding“ kommt in diesen Tagen in die Kinos und ist wirklich sehenswert, und zwar auch für Menschen, die nicht in der allerengsten Fankurve von Udo Lindenberg stehen.

Für mich bedeutet Udo Lindenberg so etwas wie lebensbegleitende Musik. Mein erstes Konzert in Hannover habe ich als Schüler Mitte der 70er Jahre besucht und seitdem immer wieder. Aber um diese ewig langen Zeiten geht es gar nicht in dem Film, sondern um das, was noch davor lag: Wie ein sehr eigensinniger Junge aus desolaten Verhältnissen in Gronau/ Westfalen ausbricht, sich im Hamburg der 60er und 70er Jahren mit viel zuviel Alkohol und Drogen durchschlägt (übrigens: Das Schlagzeug in der Tatort-Melodie spielt Lindenberg), aber am Ende eben doch den Durchbruch als Rockstar schafft. Das ist alles in einem teils witzigen, teils berührenden Film sehr gut anzuschauen.

Na und, könnte man jetzt einwenden, das haben andere auch geschafft. Udo Lindenberg ist aber mit 73 Jahren noch locker in der Lage, große Hallen und Stadien zu füllen, und das schaffen nun wirklich nur die ganz Großen. Warum? Wahrscheinlich, weil er sich nicht nur als Musiker immer treu geblieben ist, sondern auch klare Standpunkte hatte. Er hat sich immer eingemischt, ob es gerade populär war oder nicht – für Frieden, für die Wiedervereinigung („Mädchen aus Ost-Berlin“ oder „Sonderzug nach Pankow“) und vor allem im Kampf gegen Rechts als Mitinitiator von „Rock gegen Rechts“. Und weil er persönlich bewiesen hat, dass man immer wieder aufstehen kann. Dass Udo Lindenberg heute wahrscheinlich fitter ist als in manchen jüngeren Jahren, gehört auch dazu.

Insofern ist der Film eine verdiente Verbeugung vor einem beeindruckenden Lebensweg. Aber eben nicht nur das, sondern richtig gutes Kino und deswegen sehr empfehlenswert.

Ich wünsche Euch eine gute Woche.

Die Wirtschaft der 20er Jahre

Alles Gute zum Neuen Jahr, ach was: Zum neuen Jahrzehnt! Mit dem Jahreswechsel ist ja auch der Start in die 20er-Jahre verbunden und es spricht viel dafür, dass es ein Jahrzehnt ziemlich gründlicher Veränderungen werden wird. In einem besonders wichtigen Bereich werde ich gleich am Jahresanfang mit der Nase auf diese Veränderungen gestoßen. Traditionell stehen im Januar in meinem Kalender immer große Neujahrsempfänge der Industrie- und Handelskammern in Niedersachsen, wo viele Unternehmerinnen und Unternehmer zusammenkommen und über die Lage reden.

 

Wirtschaftlich betrachtet waren die letzten zehn Jahre für Niedersachsen sehr erfolgreich. In einer virtuellen Wachstums-Bundesliga unter sechzehn Ländern rangiert Niedersachsen auf Platz 3, es gibt inzwischen mehr als 3 Mio. sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze im Land und die Arbeitslosigkeit ist auf 4,9 % zum Jahresende zurückgegangen – allesamt Werte, von denen man im Jahr 2010 nur träumen konnte. Ein Grund, die Korken knallen zu lassen, ist das zwar nicht, Grund für ein gesundes Selbstbewusstsein gegenüber den anstehenden Herausforderungen der nächsten Jahre aber allemal. Und Herausforderungen wird es reichlich geben:

 

Fachkräftesicherung

Wenn man Unternehmen fragt, ist das die Hauptsorge. Der demografische Wandel auf dem Arbeitsmarkt ist noch längst nicht abgeschlossen. In den nächsten 10 Jahren gehen die „Babyboomer“ nach und nach in den Ruhestand, besonders starke Jahrgänge räumen ihre Arbeitsplätze. Umgekehrt ist es beim Nachwuchs, denn die nachrückenden Jahrgänge sind längst nicht so groß. Neben einem Schwerpunkt auf gute Bildung (von der Krippe an!) wird deswegen um eine kluge Zuwanderungs- und eine noch engagiertere Integrationspolitik kein Weg herum führen, davon bin ich überzeugt.

 

Klimaschutz

Wachstum ist kein Selbstzweck, wie wir inzwischen alle wissen, es geht um die sozial-ökologische Qualität. Vor allem die Industrie steht vor einem Umbau in Richtung Klimaverträglichkeit. Es wird immer mehr um die Nutzung von Erneuerbaren Energien gehen und am Ende des Jahrzehnts muss Wasserstoff in vielen Bereichen die Grundlage für Industrieproduktion sein. Dass wird eine sehr aktive staatliche Begleitung erforderlich machen und Industriepolitik wird noch wichtiger sein, als man viele Jahre lang gemeint hat.

 

Digitalisierung

Auf der Hannover Messe 2011 ist der Begriff von der „Industrie 4.0“ geprägt worden. Heute wissen wir: Es geht insgesamt um Wirtschaft 4.0 und alle Bereiche werden von der Digitalisierung nach und nach erfasst. Begonnen hat diese Entwicklung zwar schon überall, aber abgeschlossen ist sie noch lange nicht. Robotik und künstliche Intelligenz werden eine große Rolle spielen, aber gerad dieArbeitnehmerinnen und Arbeitneitnehmer müssen fit sein für die Arbeitsplätze der Zukunft. Eines ist für mich klar: Unter diesen Bedingungen haben Weiterbildung und Qualifizierung in den nächsten Jahren eine riesige Bedeutung und müssen die Arbeitsmarktpolitik bestimmen.

 

Eine Lehre aus dem letzten Jahrzehnt sollten wir in das neue mit hinübenehmen – zusammen ist man erfolgreicher. Starke Gewerkschaften und eine ausgeprägte Sozialpartnerschaft sind nicht Teil des Problems, sondern ein wichtiger Teil der Lösung. Ein Jahrzehnt, in dem der Wert der Tarifverträge überall neu entdeckt wird – das wäre mit die beste Grundlage für gute 20-er Jahre!

 

Ich wünsche Euch einen guten Start in die erste (oder zweite?) Arbeitwoche.

Neuer Ortsvereinsvorstand

SPD-Ortsverein Nord wählt neuen Vorstand

Der SPD Ortsverein Nord hat am auf der Mitgliederversammlung Anfang März Ratsfrau Güzel Tulan zur neuen Vorsitzenden gewählt. Ratsfrau Margrit Conty, die über elf Jahre erfolgreich die Geschicke des Ortsvereins leitete, kandidierte in der Jahreshauptversammlung nicht wieder. Als Stellvertreter wurden Gabriele Hellmann-Gressieker, Theo Mühlena und Leif De Vries gewählt.

Für weitere Positionen wurden Jürgen Illmer, Simon Wirth, Wolfgang Conty, Lena Bittmann, Reiner Siebolds, Edith Kantin, Karl-Heinz Meyer, Thomas Zielke, Haiko Meents, Gisela Backhaus, Heinz Backhaus, Margrit Conty, Werner Kaps, Carina Klimsch, Karsten Mohr, Andre Rabe, Jürgen Vahlenkamp in den Vorstand gewählt.

Oberbürgermeister Jürgen Krogmann, der selbst dem Ortsverein angehört, dankte Margrit Conty für ihren unermüdlichen und erfolgreichen Einsatz und berichtete über aktuelle Ratsthemen.

Landtagsabgeordnete Hanna Naber führte souverän durch den Abend und informierte aus der aktuellen Landtagsarbeit.

(Bild: Martin Reich, Oldenburg)

Osteraktion

Auch in diesem Jahr möchten wir uns bei den Bürger*innen im Stadtnorden für die Unterstützung unserer Arbeit bedanken. Wir verteilen, solange unser Vorrat reicht, am Ostersamstag vor dem Aktiv-Irma-Markt in Ohmstede und dem Edeka-Markt in Ofenerdiek an unsere Mitbürger*innen. Natürlich haben wir auch bei dieser Gelegenheit ein offenes Ohr für Sie und nehmen Ihre Gedanken, Wünsche und Anregungen zu unserer Arbeit gerne auf. Wir freuen uns auf Sie!

Nächste Vorstandssitzung

Die nächste Sitzung des Vorstands unseres Ortsvereins findet turnusgemäß statt am

Mittwoch den 4. April 2018
20.00 Uhr
im Etzhorner Krug, Butjadinger Str. 341,
26125 Oldenburg.

Wie immer sind die Mitglieder unseres Ortsvereins und alle, die an unserer Arbeit teilhaben oder mitwirken möchten, herzlich eingeladen.